Wie sieht eigentlich ein österlicher Glaube aus? Was bedeutet es wirklich, an die Auferstehung zu glauben. Nicht nur am Ostersonntag, sondern mitten im Alltag, mitten in den kleinen und großen Herausforderungen unseres Lebens?
In der japanischen Kunst des Kintsugi werden zerbrochene Keramiken nicht einfach unsichtbar geklebt. Die Risse werden mit Urushi-Lack und echtem Gold nachgezeichnet. Das Gefäß ist danach trotz oder gerade wegen seiner Brüche wertvoller als zuvor. Die Brüche werden nicht geleugnet, sie werden veredelt.
Als Religionslehrkräfte begegnen wir täglich den „Sollbruchstellen“ junger Menschen. Zudem kennen wir selbst das Gefühl nicht nur körperlich erschöpft zu sein, sondern auch „blaue Flecken“ auf der Seele zu tragen. Die Sorgen der Schüler, der Druck des Systems, die eigenen Zweifel an der Relevanz der Botschaft.
Dort beginnt die Osternacht. Sie beginnt nicht mit fertigen Antworten. Sie beginnt im Dunkel. Im kalten, tastenden, ehrlichen Dunkel. Denn genau da fängt Ostern an: nicht im vollen Licht, nicht im sicheren Wissen, nicht im bequemen Glauben, sondern mitten in der Nacht. Wir bringen in diese Nacht alles mit: die Last der letzten Monate, das, was uns bedrückt, die Fragen, die offen geblieben sind, die Sorgen um diese Welt, die Müdigkeit des Herzens, die Wunden der Kirche, die Unsicherheit vieler Menschen, und auch die ganz persönliche Sehnsucht: Bitte, Gott, mach doch neu, was müde, verwundet und fast tot ist.

Und genau da hinein spricht Ostern: Das Grab ist nicht das Letzte. Die Nacht ist nicht das Letzte. Die Angst ist nicht das Letzte. Die Liebe steht auf. An Ostern wird kein billiger Optimismus gefeiert. Wir feiern das Wunder, dass Gott Leben schafft, wo niemand mehr damit rechnet. Dass Hoffnung wächst, wo alles danach aussieht, als sei Schluss. Dass Christus lebt. Und dass seine Liebe stärker ist als Stein, Grab und Tod.
My Bruises & My Rescue – Eine musikalische Spurensuche zu Ostern
Die Begegnung Maria von Magdala am Grab verknüpft mit zwei modernen Liedern die Realität von „Bruises“ (Lewis Capaldi) mit der österlichen Antwort in „Rescue“ (Lauren Daigle) zu einer musikalischen österlichen Spurensuche und deutet das Thema „Resilienz und Erlösung“ existentiell.
Wir hören zuerst das Echo von Lewis Capaldis „Bruises“: Das Frösteln einer Welt, die kälter wird („everyday it’s getting colder“), und das Festhalten an den blauen Flecken der Vergangenheit, weil sie oft das Einzige sind, was sich noch echt anfühlt. Wir sehen Schüler, die sich hinter Masken der Perfektion verstecken, aus Angst, ihre Risse könnten sie wertlos machen.
Ostern ist Gottes Kintsugi an uns. Die Auferstehung löscht den Karfreitag nicht aus. Der Auferstandene zeigt seine Wunden. Aber sie bluten nicht mehr; sie leuchten. Ostern ist kein Pflaster, das diese Wunden überdeckt. Ostern ist die Antwort, die in Lauren Daigles „Rescue“ uns Gott in der Ich-Form zuspricht: „I will send out an army to find you in the middle of the darkest night, it’s true, I will rescue you.” (Mitten in der tiefsten Nacht sende ich eine Armee aus, um dich zu finden, es ist wahr, ich werde dich retten). hören wir die Zusage dieses göttlichen Handelns. „I will send out an army to find you.“ Die „Armee“, die Gott schickt, ist keine militärische Macht. Es ist seine radikale Präsenz in der Ohnmacht.
Auferstehung bedeutet: Die „Bruises“ (die Male der Kreuzigung) bleiben sichtbar, aber sie sind nicht mehr das letzte Wort. Sie sind nun Orte, durch die das Licht fällt wie Gold, das in unsere Risse fließt. Gott findet uns in der „darkest night“ – nicht um unsere Brüche zu reparieren, damit wir wieder funktionieren wie zuvor, sondern um uns mit unseren Brüchen zu verwandeln.
Die Begegnung am Grab (Joh 20,11-18)
Die Verbindung zu den Songs:
- „Bruises“ (V. 11): „Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.“
Sie verharrt im Schmerz, starrt in die Leere, genau wie Capaldis Song das Kreisen um den Verlust beschreibt. Die Trauer ist ihre einzige Verbindung zum Geliebten. - „Rescue“ (V. 16): „Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!“
Das ist der „Rescue“-Moment. Gott schickt ein einziges Wort: ihren Namen. Im Moment des persönlichen Gerufenwerdens findet er sie in ihrer dunkelsten Nacht.
Viele Menschen fragen heute nicht mehr zuerst: Ist das dogmatisch richtig?
Sie fragen: Trägt das? Hält das? Verändert das etwas?
Ostern antwortet: Ja.
Denn der Auferstandene bringt nicht nur Trost für später. Er bringt Leben für jetzt. Er stellt Menschen auf die Füße. Er weckt Hoffnung, wo Zynismus regierte. Er macht Mut, wo Angst lähmte. Er öffnet Wege, wo alles verriegelt schien.
Und vielleicht ist das die Osterfrage an uns: Wo spüren Sie gerade die „Kälte“ (Capaldi) in Ihrem Berufsalltag? Und wo blitzt die Zusage auf: „I hear you whisper underneath your breath“ (Daigle)? Wo müsste in meinem Leben etwas aufstehen? Vertrauen? Gebet? Mut? Freude? Versöhnung? Ein neuer Anfang?
Denn Ostern ist nicht nur eine Nachricht über Jesus. Ostern ist ein Ruf an uns. Steh auf! Nicht aus eigener Heldentat, sondern weil Christus lebt, weil sein Licht stärker ist, weil die Liebe geblieben ist – durch die Nacht hindurch.
- Gründonnerstag hat gezeigt: Liebe kniet nieder.
- Karfreitag hat gezeigt: Liebe hält aus.
- Die Osternacht verkündet: Liebe steht auf.
Und diese Liebe trägt die Welt. Mehr als wir ahnen.
Ein frohes Osterfest mit hoffnungsvollen Ausblicken wünscht Ihnen im Namen des KRGB
Ihr Landesvorsitzender
P. Erhard Staufer SDB
Bild: KI-generiert
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Oster-Impuls mit einer Ideenskizze für den Unterricht:

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