Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz 2026 im KRGB Interview

Feb. 26, 2026 | KRGB und BKRG aktuell, Nachrichten

Der Bischof von Hildesheim, Dr. Heiner Wilmer SCJ, wurde am 24. Februar 2026 zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgt auf Bischof Dr. Georg Bätzing und wird die Deutsche Bischofskonferenz in den nächsten sechs Jahren nach außen vertreten.

2026: Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ

Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz 2026 – Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Als ehemaliger Lehrer, Schulseelsorger und Schulleiter am Gymnasium ist er in besonderer Weise auch als Bischof mit unserem schulischen Alltag vertraut und die jungen Menschen mit ihren Gedanken, Sorgen und Wünschen sind ihm ein besonderes Anliegen.

Schon in einem Interview kurz vor der Bischofsweihe betonte Pater Wilmer: „Ich habe große Pläne und schon damit angefangen, obwohl ich noch gar nicht Bischof bin. Ich habe mich nämlich an den vergangenen drei Wochenenden mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen getroffen und bin mit ihnen durchs Bistum gepilgert.

Junge Menschen werden sicherlich mein Schwerpunkt sein. Mein Plan dabei war, dass die jungen Menschen mir sagen, was ihre Themen sind, wie sie sich vorstellen, wie Kirche sein soll und wie die Botschaft des Evangeliums attraktiv verkündet wird. Ich bin ja ein ehemaliger Pädagoge und ich weiß, man ist nur dann ein guter Lehrer, wenn man zeitlebens lernt und zuhört. An jenen Wochenenden war ich eben der Schüler und die jungen Leute waren meine Lehrer und das war wirklich spannend.


Werdegang von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ

  • geboren am 9. April 1961 in Schapen (Emsland)
  • August 1980 Eintritt in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester
  • 31. Mai 1987 Priesterweihe in Freiburg
  • 1987-1993: Studium in Rom und Freiburg
  • 1993-1995 Referendar am Windthorst-Gymnasium in Meppen
  • 1995-1997 Lehrer für Religion, Geschichte und Politik und sowie Schulseelsorger an der Liebfrauenschule in Vechta
  • 1997-1998 Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Fordham Preparatory School (Jesuit High School) in New York (Bronx)
  • 1998-2007 Schulleiter des Gymnasium Leoninum Handrup
  • 2007-2015 Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn
  • 2015-2018 Generaloberer der Herz-Jesu-Priester in Rom
  • 2018 Ernennung und Weihe zum 71. Bischof von Hildesheim
  • In der Deutschen Bischofskonferenz seit September 2021 Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
  • 2019 bis 2024 Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax
  • 24. Februar 2026 Wahl zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz 
  • Papst Leo XIV. ernannte am 26. März 2026 den bisherigen Bischof von Hildesheim, Dr. Heiner Wilmer SCJ, zum neuen Bischof von Münster

Vor dem eigentlichen Thema „Synodaler Weg“ würden wir sie gern als Person kennenlernen und bitten um eine kurze Antwort auf folgende Fragen:

Wer oder was hat sie stark beeinflusst?

Sehr stark geprägt hat mich Henri Nouwen, der seine Tätigkeit als Harvard-Professor aufgab, um mit Menschen mit Behinderungen zu leben, mit ihnen das Leben zu teile

Welcher Theologe fasziniert Sie?

Die französische Theologie hat es mir angetan. Derzeit beschäftige ich mich viel mit Christoph Theobald, besonders mit „Christentum als Stil“.

Welche Bibelstelle gibt Ihnen Kraft für den Alltag und auf dem Synodalen Weg?

Die Emmausgeschichte berichtet von Jüngern, die in der größten Krise ihres Lebens vom auferstandenen Christus aufgerichtet werden. Sie sind mit ihm auf den Weg – und machen sich auf den Weg.

Was ärgert Sie an der Kirche?

Mich ärgern Vorverurteilungen, die oft entstehen, wenn wir einander nicht wirklich zuhören.

Was wünschen Sie der Kirche?

Offenheit für die Position anderer und Geduld.

Was wünschen Sie sich von der Kirche?

Mut zum Leben im Jetzt für Morgen.

Das eigentliche Anliegen unseres Interviews bildet der „Synodale Weg“, zu dem der Missbrauch in der Kirche in Deutschland geführt hat. Sie prägten den umstrittenen Satz, wonach der „Machtmissbrauch zur DNA der Kirche“ gehört. Dieser „verbindliche synodale Weg“ erscheint mehreren katholischen Gruppen als „wohl letzte Chance, die existenzielle Krise der römisch-katholischen Kirche in Deutschland zu überwinden und damit auch positive Impulse für die Weltkirche zu geben“. Dabei dürfe es keine Tabus geben, „Ungewohntes zu denken und das Notwendige zu beschließen“. Mit einem „Weiter so“ sei die tiefgreifende Vertrauenskrise nicht zu meistern.

Bischöfe und Laien gemeinsam auf dem Weg für eine erneuerte Kirche? Aktuell wird der Synodale Weg jedoch von einigen Bischöfen als ungeeignet abgelehnt. Warum halten Sie diesen Weg für sinnvoll und notwendig?

Der Synodale Weg gibt uns die Möglichkeit, miteinander nachzudenken, die Sehnsüchte und Erfahrungen der Menschen ernst zu nehmen, dem Evangelium nachzuspüren und gemeinsam zu versuchen, das Evangelium im Jetzt zu leben und zu verkündigen.

Welcher Themen soll sich Ihrer Meinung nach vorrangig der Synodale Weg annehmen bzw. welche kommen im aktuellen Konzept noch zu kurz?

Es wäre gut, wenn es uns gelänge, Inhalt und Struktur in eine gute Balance zu bringen. Das eine bedingt das andere, das eine ist ohne das andere nicht zu denken.

Wie kann die Kirche es wieder schaffen, ein glaubwürdiger und bedeutsamer Bestandteil des Alltags aller Christeninnen und Christen zu werden?

Entscheidend ist es, die Relevanz des christlichen Glaubens für unser Leben im Hier und Jetzt deutlich werden zu lassen. Hier stellt sich mir die Frage, ob es uns als Kirche gelingt, die Erfahrungen und Sehnsüchte der Menschen mit dem Evangelium in Beziehung zu bringen. Junge Menschen stellen häufig die Frage: „Was bringt mir das?“ Diese Frage haben wir als Kirche zu beantworten.

Wie kann es gelingen, dass die Vorstellungen und Erwartungshaltungen junger Menschen in der Kirche Platz finden?

Meine Erfahrung ist, dass wir als erstes zuhören müssen. Ich bin immer wieder beeindruckt, welch tiefe und bedenkenswerte Fragen junge Menschen stellen. Sie fragen nach den „basics“ und haben klare Vorstellungen von einem würdigen und gereiften Umgang miteinander. Vor einem guten Jahr war ich mit jungen Leuten pilgern. Die Gespräche, die wir geführt haben, haben mich immer bereichert und beschäftigen mich bis heute.

Welche Formen echter Partizipation und demokratischer Mitbestimmung bzw. Gewaltenteilung sind aus Ihrer Sicht sinnvoll und möglich?

Meines Erachtens gehört zur Partizipation zunächst die Erkenntnis, dass jeder Mensch, indem er lebt, Teil am Leben hat. Die Stärkeren haben dafür zu sorgen, dass die vermeintlich Schwächeren leben, teilhaben können. Dazu gehört aktives Zuhören, echtes Interesse am anderen und echte Delegation.

Dass es auch beim bevorstehenden Synodalen Prozess nicht ganz einfach werden dürfte, macht ein Brief des Papstes deutlich: Die deutsche Kirche dürfe keinen Sonderweg einschlagen und sich nicht von der Weltkirche entfernen, schrieb Franziskus den deutschen Katholiken. Wie sehen Sie die Haltung des Vatikans zum synodalen Weg? Welche Weichenstellungen und Verbindlichkeiten sind realistisch zu erwarten?

Der Brief des Papstes an die Katholiken in Deutschland ist die Einladung, ja mehr noch die Aufforderung, sich auf den Weg zu machen, gemeinsam Wege zu suchen, das Evangelium attraktiv zu verkünden. Das ist stark. Wir sind in Deutschland Teil der Weltkirche. Einige Themen, die auf der Tagesordnung des Synodalen Weges stehen, können wir hier nicht alleine entscheiden. Vorschläge machen aber können wir.

Die bange Frage bleibt: „Was passiert, wenn wir die Dinge nicht umsetzen können? Bzw. was würde denn passieren, wenn die Synode Dinge beschließen würde, die der Papst oder einzelne Bischöfe nicht mittragen können oder wollen?

Es ist für mich wichtig, im Gespräch zu sein und dies zu bleiben.

Welche Erfahrungen als Religionslehrer oder als Schulleiter sind hilfreich auch für Ihr Wirken als Bischof?

Als Religionslehrer und als Schulleiter bin ich jungen Menschen begegnet, die neugierig waren, die was wollten. Diese Lebensoffenheit war und ist ansteckend… und sie prägt mich bis heute.

Was wünschen Sie sich speziell von uns Religionslehrer*Innen?

Religionslehrer*innen sind Zeuginnen und Zeugen des Evangeliums, deren Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gerade in unseren Tagen findet im Religionsunterricht nicht selten Erstbegegnung mit dem Christentum statt. Mein Wunsch ist, dass Sie im Religionsunterricht authentisch Auskunft geben von Ihren Fragen und Hoffnungen und damit den jungen Menschen helfen, ihren jeweils eigenen Weg zu finden.

Was möchten Sie uns Religionslehrer*Innen als Bestärkung mit auf den Weg geben?

Mir tut es immer gut, mit anderen Menschen, seien es Kolleg*innen oder Freunde, über meinen Glauben, meine Fragen, meine Auseinandersetzung mit der Kirche und anderes zu sprechen. Dies macht es mir auch leichter, anderen gegenüber, z.B. Schüler*innen Auskunft geben zu können. Vielleicht darf ich noch einmal bei Emmaus anknüpfen: Gemeinsam auf dem Weg zu sein, gibt uns Kraft… und manchmal kommt sogar der auferstandene Christus hinzu.

25.11.2019

Das Interview führte der Landesvorsitzende OStD i.K. P. Erhard Staufer SDB.

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